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Forschungsbereich
Konstruktion und Auslegung

Entwicklung eines 150cm³-Motorradmotors

Im Auftrag eines internationalen Motorradherstellers wurde an der FVT ein Motor zum Antrieb eines Motorrades entwickelt. Dabei handelt es sich um einen Einzylinder-Viertakt-Ottomotor mit einem Hubraum von 150cm³, der über Saugrohreinspritzung, Vierventiltechnik und Wasserkühlung verfügt. Die Kraftübertragung erfolgt über ein 6-Gang-Schaltgetriebe, wobei der Schaltvorgang rein manuell oder halbautomatisch, d.h. ohne manuelle Betätigung der Kupplung möglich sein soll. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt der konstruktiven Gestaltung war die Ermöglichung eines Baukastensystems für zwei weitere Hubräume (125 cm³ und 176 cm³), lediglich unter Verwendung eines kleineren bzw. größeren Kolbens und Zylinders. Im Rahmen der Auslegung mussten somit immer die Randbedingungen aller Hubraumvarianten berücksichtigt werden, was zwangsläufig auch zu Einschränkungen in der Konstruktion führte. 
Das Gesamtprojekt, welches über die Dauer von 3,5 Jahren in enger Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber abgewickelt wurde, umfasst die vollständige Auslegung und Konstruktion aller Motorkomponenten in möglichst seriennaher Ausführung, d.h. unter Berücksichtigung der Fertigungsverfahren (z.B. Gießverfahren für Gehäuse) sowie der zu erwartenden Teilekosten und Verfügbarkeit von bestehenden Komponenten. Der Verantwortungsbereich der FVT lag dabei auf der gesamten Entwicklungskette von der Vorauslegung, Simulation, Konstruktion über den Prototypenbau bis zur Entwicklung am Motorprüftstand, Rollenprüfstand und im Strassenbetrieb.
Der Nachweis der Serientauglichkeit erfolgte neben der Erreichung der Zielwerte hinsichtlich Emissionen (Euro 4) und Verbrauch einerseits anhand eines Dauerlaufes am Motorprüfstand und andererseits im Rahmen einer Fahrzeugerprobung auf der Straße. Bei der Langzeiterprobung am Motorprüfstand handelte es sich um einen 500-stündigen Dauerbetrieb, wobei der größte Zeitanteil bei Nennlast erfolgt. Dies ist der Anwendung im Zielmarkt des Fahrzeuges geschuldet, welche in dieser Hubraumkategorie einen hohen Zeitanteil an Autobahnfahrt bei voller Leistung aufweist. Der Strassentest umfasst 30.000km ohne den Austausch von Teilen. Das Projekt konnte in der geplanten Gesamtentwicklungszeit von 3,5 Jahren fertiggestellt werden.